Magazin Nr. 86: Die neue Professionalität der Rechten

15. März 2016
Miriam Exner

Titelbild-Folge-86

In Folge der hohen Wahlprognosen der AfD haben wir uns letzte Woche die Marketingmethoden und die zentralen Figuren der neuen Rechten etwas genauer angeschaut, denn nicht nur die (Nicht)“Alternative für Deutschland“ weiß es, sich medienwirksam zu inszenieren.


Unsere Netzlese zum Magazin Nr. 86

Björn Höcke
(Min. 00:43)
Trotz der Professionalität und der unterschwelligen Werbung für das rechte Gedankengut, gibt es noch Vertreter die eine solche Gesinnung auf den Punkt bringen: So zum Beispiel der Thüringer Fraktionsvorsitzende der AfD Björn Höcke. In seinem Vortrag auf einem Kongress des Insituts für Staatspolitik (IfS) propagiert er die unterschiedlichen „Ausbreitungstypen“ der afrikanischen und europäischen Bevölkerung und warnt vor einer afrikanischen Bevölkerungsflut in Europa. Der Extremismus-Forscher Hajo Funke ist der Meinung Höcke vertrete mit diesen Ansichten einen „puren[n] biologische[n] Rassismus“. Doch Höcke stoppt nicht bei den Fortpflanzungsmethoden unterschiedlicher Völkergruppen. Seiner Meinung nach birgt die Flüchtlingskrise weitere Gefahren, zum Beispiel die Verbreitung von Krankheiten, wie Typhus, Tuberkolose und Aids.

Götz Kubitschek
(Min. 01:44)
Björn Höcke steht auch in enger Verbindung mit dem Verleger, Publizisten und politischem Aktivisten Götz Kubitschek. Er bezeichnet sich selbst als „rechts-intellektuell“ und ist unter anderem  Mitbegründer der Instituts für Staatspolitik, Initiator der Messe „Zwischentag“ und Verleger der Zeitung „Sezession“, die auf ihrer Webseite mit dem Slogan „Right is right und left is wrong“ wirbt. Sein Verlag Antaios, der auch als „Hausverlag“ des IfS bezeichnet wird, werden jedoch auch weitere verlegt. Zum Beispiel das im Video angepriesene Buch „Tristesse Droite: Die Abende von Schnellroda“ in dem über die Lage unseres Landes und der Verlust von Traditionen diskutiert wird.

EinProzent für unser Land
(Min. 02:39)
Die Initiative setzt sich gegen Merkels Flüchtlingspolitik und für Wahlbeobachtung ein und sehen sich als das „Greenpeace […] für die patriotischen Kräfte“. Ihre Web- und Videoauftritte sind professionell gestaltet und mit finsterer Musik unterlegt, die einen zum Schaudern bringt. Es wurde sogar eine Videoproduktion gegründet, die „ab sofort in ganz Deutschland film[en] und Bilder liefer[n]: von der Asylkatastrophe und vorbildlichem Protest dagegen.“ Bis jetzt wurden auch schon zwei Filme (1 / 2) produziert. Von Asylchaos gibt es jedoch keine Spur, stattdessen sieht man Demonstranten mit Deutschlandflaggen, Fahnen mit dem Logo der Identitären Bewegung und Transparenten, unterlegt mit melancholischer Musik irgendwo her marschieren. Außerdem kommen „besorgte Bürger“ zu Wort, die sich von der Politik und der Welt nicht mehr verstanden fühlen und deren Meinung unterdrückt wird. Und mit dieser Marketing-Masche wird auch noch kokettiert.

Die Identitäre Bewegung
(Min. 04:29)
„Wir sind die erste freie, patriotische Kraft, die sich aktiv und erfolgreich für Heimat, Freiheit und Tradition einsetzt.“ lässt sich unter dem Menüpunkt „Wer wir sind“ auf der Webseite der Identitären Bewegung Deutschland finden. Sie sehen sich als den „metapolitischen und aktivistischen Arm der Neuen Rechten“ und vernetzen sich international, naja immerhin europaweit. Die Werte und Ansichten der „Alten Rechten“, also Neonazis und Konsorten, lehnen sie ab, befürworten aber einen Ethnopluralismus. Also kurz gesagt: Jeder darf kulturell so sein wie er ist, aber bitte in seinem eigenen Land. Und diese Meinung propagieren sie auch in gut gestalteten Youtube-Videos in mehrerern Sprachen (Französisch mit Deutschen Untertiteln / mit Englischen Untertiteln / die Deutsche Nachverfilmung) Nein, das hat natürlich nichts mit rechten Ideologien zu tun. Wir finden doch und so denken auch die Zeit und der Spiegel.

Was denkt ihr?

Marc Jongen
(Min. 05:14)
Der Philosophiedozent und stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Baden-Württemberg gehört zur intellektuellen Elite der Neuen Rechten und beschreibt seine Theorie als „Avantgarde Konservatismus“. Er bedient sich an Nietzsches Genealogie der Moral, dessen Einfluss auf die Ideologien der Nationalsozialisten des Dritten Reichs immer noch fragwürdig ist. Und Jongen schafft es mit seiner Theorie gehört zu werden. Von der FAZ, über Cicero bis hin zur Süddeutschen ist er zu finden.

Das Umfeld der rechten Szene
(Min. 06:46)
Auch bei der Mode macht der Rechtspopulismus nicht halt: Bei Phalanx Europa einer Marke von Aktivisten für Aktivisten und für die Gegenkultur werden unter anderem T-Shirts mit dem Spruch „Islamist not Welcome“ vertrieben. Hier kann man übrigens auch Buttons mit der eigenen Nationalflagge – natürlich nur solche von europäischen Nationen – oder dem Zeichen der Identitären Bewegung erwerben.

Auch in Sachen Infrastruktur weiß sich die Neue Rechte zu helfen. Um Veranstaltungsverboten entgegenzuwirken, ist es hilfreich sich seine eigenen Veranstaltungsorte zu besorgen. Der Verein Gedächtnisstätte e.V., der von der thürischen Landesregierung als rechtsextremistisch eingestuft wird, kauft Immobilien auf und stellt sie für Veranstaltungen der Neuen Rechten zur Verfügung. Neun solche Zentren soll es bis dato geben.


Interessant ist, dass all diese Gruppierungen in engem Kontakt miteinander stehen und sich nicht nur auf ihre Außenwirkung hin professionalisieren. Die rechte Szene ist intellektuell geworden und auf dem Weg auch salonfähig zu werden.

Wir finden das sollte man im Auge behalten!


In dieser Ausgabe …
Aron Doll