Magazin Nr. 87: Der Kampf um Glyphosat

24. März 2016
Miriam Exner

 

Die Folge 87 unseres wöchentlichen Magazins dreht sich um das Thema Glyphosat. Die Wiederzulassung des, in der Landwirtschaft angewandten Pflanzengiftes – oder auch Unkrautvernichters, um weitere 10 Jahre, steht mittlerweile seit 2012 in Brüssel zur Debatte. Am 8. März wurde der Beschluss erneut um ein halbes Jahr verschoben. Warum? – Die Experten können sich nicht darüber einigen, inwiefern der Wirkstoff Glyphosat gesundheitsgefährdende ist oder ob es eine Alternative für die Unkrautvernichtung in der Landwirtschaft gibt.

Eine Antwort auf diese Fragen können wir euch leider auch nicht geben. Jedoch wer sich genau um was streitet, haben wir uns mal genauer angesehen.


Unsere Netzlese zum Magazin Nr. 87

Die Lobby Schlacht
(Min. 00:57)

In der roten Ecke: Zahlreiche Umweltverbände, kritische Wissenschaftler und Bauern, die mit Problemen kämpfen und Glyphosat dafür verantwortlich machen. Darunter die renommierte Krebsforschungsabteilung der Weltgesundheitsorganisation, die sagt: Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend.

In der blauen Ecke : Die Großkonzerne, Bauern die auf Glyphosat angewiesen sind und das ebenso renommierte deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung das zu dem Schluss kommt: Glyphosat ist unbedenklich.

Oder einfacher: die ganze Ambivalenz in einer Person: Dr. Moore gibt an, dass „Roundup“ (Glyphosat haltiges Produkt) bedenklos trinkbar sei, weigert sich aber es zu trinken. Er sei ja kein Idiot.

Die möglichen Folgen von Glyphosat:
(Min. 02:14)

Umweltschäden:

  • Bodenschäden
  • pestizidresistentes Unkraut
  • Kranke und tote Kühe
  • Missgebildete Ferkel
  • Bienensterben

Gesundheitsschäden:

  • Diabetes
  • Leber-, Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen

Die Antwort aus der BLAUEN Ecke: Das seien einzelne Beobachtungen – aber keine Beweise – sagt z.B. das  Bundesinstitut für Risikobewertung. Mal seien es Einzelfälle, mal stimme die Analysemethode nicht, mal würden andere mögliche Ursachen außer Acht gelassen, kurz gesagt: Alles nicht wissenschaftlich genug.

Die ROTE Ecke kontert ebenfalls mit Methodik: Das Bundesinstitut für Risikobewertung  sei mit seiner Entwarnung voreilig: Denn das Institut habe nur den reinen Wirkstoff Glyphosat untersucht – nicht aber die verkauften Cocktails, die tatsächlich aufs Feld gespritzt werden.

Brüssel – Die Lobby für Lobbisten

(Min. 03:50)
123 von 209 EFSA-WissenschaftlerInnen sollen mindestens eine Verbindung zur Industrie haben, und zwar genau zu den Industriezweigen, die von der EU-Behörde reguliert werden sollen.

Auffälligkeiten gab es auch bei der Beurteilung von Glyphosat. So wurde eine Vorab-Bewertung des BfR geheim gehalten, doch Monsanto und andere Hersteller erhielten den Bericht. Und erstellten prompt eine neue Studie, die dann wiederum in den Abschlussbericht vom Bundesinstitut für Risikobewertung einfloss.

Monsanto und die gefälschten Studien
(Min. 04:35)

Monsanto, bekannt für PCB, Agent Orange und anderer Leckereien, ist nicht nur Hauptproduzent sondern hat nachweislich bereits mehrmals Glyposat Studien gefälscht.

So hatte die Firma 1976 Industrial Bio-Test Laboratories beauftragt das Herbizid Roundup zu bewerten. Hauptwirkstoff: Glyphosat.  Nach der Toxikologie-Studie, wurde das ausführende Labor geschlossen, der Chef zu 4 Jahren Haft verurteilt. Die Studien mussten wiederholt werden.

1991 wurde der Chef von Craven Laboratories und 14 seiner Angestellten für schuldig befunden wegen Fälschung wissenschaftlicher Daten. Auftraggeber Monsanto. Es ging um Analysen zur Beschränkung von Pestizid-Rückständen in behandelten Pflanzen.

Daher die Frage: Ist es wirklich klug den Konzernen die Kontrolle über unsere Gesundheit zu überlassen?

Die Propaganda der Befürworter
(Min. 05:28)

Aber nicht nur auf EU-Ebene tobt die Lobbyschlacht. So gibt es z.B. die Webseite glyphosat.de auf der man sich informieren kann, wie toll Glyphosat ist. Haken bei der Sache, das Impressum.

Bezeichnend ist hier die Ansammlung der beteiligten Konzerne, wie auch folgender Satz:

Das Glyphosat-Informationsportal ist eine Initiative der europäischen Glyphosate Task Force (GTF). In der GTF arbeiten verschiedene Pflanzenschutzmittel-Unternehmen zusammen, die einen gemeinsamen Antrag auf Wiederzulassung des Herbizidwirkstoffes Glyphosat in der Europäischen Union gestellt haben. 

Und verantwortlich für diese Webseite ist die Genius GmbH. Das ist eine PR Firma aus Berlin, die im Zentrum der Macht sitzt, im Haus der Bundespressekonferenz. Sie wirbt mit:

Sie wollen ein schwieriges Thema vermitteln? Sie suchen Fachwissen und Medien-Knowhow in einem? Sie möchten Gruppen informieren, motivieren und zusammenführen? Die genius gmbh »übersetzt« Wissenschaft, damit Wirtschaft, Politik und breite Öffentlichkeit sich richtig verstehen.

Und auch Monsanto direkt hantiert mit Nebelkerzen….

Hier wollen sie uns Anfängern zeigen, dass wir zu doof sind den Unterschied zwischen potentieller Gefahr und Risiko zu begreifen. Es ist also potentiell gefährlich sich zu rasieren. Es ist aber riskant einen Bären zu rasieren.

Die Propaganda der Gegner
(Glyphosat in der Muttermilch)

Die Umweltverbände und Organisationen auf der anderen Seite haben wiederum ihre eigenen PR Maßnahmen um sich gehört zu verschaffen.  Um die Öffentlichkeit zu erreichen werden Studien veröffentlicht, die möglichst die Reizthemen der Bevölkerung ansprechen. Glyphosat im Bier – oh du heiliges Reinheitsgebot  – Glyphosat im Brotim Urin und Glyphosat in der Muttermilch.


Das sorgt zwar für die Aufmerksamkeit, aber was wir wirklich brauchen ist eine umfangreiche und komplett unabhängige Bewertung. Und ein Institut, dem nicht vorgeschrieben werden darf  was es untersuchen soll.


In dieser Ausgabe …
Aron Doll